SonntagsDing: Anpassungen im Schnittmuster am Ärmel

Die Reihe zur Schnittmusteranpassung geht in die 3. Runde. Heute geht es um die Anpassungen im Schnittmuster am Ärmel und es schreibt euch wieder Sophie von Näähglück. Ich zeige euch heute, wie ihr verschiedene Änderungen am Ärmel, wie zum Beispiel die Ärmellänge, die Oberarmweite, Ärmelweite und die Ärmelkugel durchführen könnt. Außerdem gibt es einen kleinen Exkurs in das Verstehen von Raglanärmeln. Viel Spaß beim Lesen!

Hier findet ihr Teil 1 – Ausmessen

Hier findet ihr Teil 2 – Anpassungen im Schnittmuster am Oberteil

Wichtige Maße bei der Anpassung am Oberteil:

  • Oberarmumfang (i)
  • Handgelenkumfang (j)
  • Ärmellänge (n)

Miss die benötigten Maße. Die Maße der Oberarmweite und des Handgelenkumfangs sind besonders bei Schnittmustern mit eng geschnittenen Ärmeln wichtig. Bei einigen Schnittmusterherstellern gibt es keine Maße für den Ärmel in der Maßtabelle, so könnt ihr die Maße im Schnittmuster selbst ermitteln:

Die Ärmellänge des Schnittmusters kannst du einmal von oben nach unten ausmessen. Die Oberarmbreite des Ärmels wird ca. 5 cm unterhalb des Anfangs der Armkugel und die Weite am Handgelenk am unteren Ende gemessen. Wichtig ist bei undehnbaren Stoffen auch noch, dass die Hand auch hindurch passen muss. Wenn das Schnittmuster einen Schlitz hat, wird der Platz für die Hand durch die Schlitzöffnung geschaffen.

Zusätzlich zu deinem gemessenen Oberarmumfang und Handgelenkumfang sollte das Schnittmuster je nach Stoff mindestens 0-8 cm breiter sein. Grundregel: je undehnbarer der Stoff, desto mehr sollte hinzugefügt werden.

1. Anpassung der Ärmellänge

Ermittle die gewünschte Mehrlänge oder um wieviel du den Ärmel kürzen möchtest. In der Tabelle findest du Durchschnittswerte je nach Körpergröße. Da jeder Mensch jedoch individuell ist, kann dein Wert von der Tabelle abweichen. Wenn du dir bei der Ärmellänge unsicher bist, so füge lieber erst einmal etwas zuviel hinzu – frei nach der Devise: Kürzen geht immer!

Teile den Ärmel an der Ellenbogenlinie.

Für Langgrößen werden die Teile nun nach den entsprechenden Maßen aus der Tabelle oder dem selbst ermittelten Änderungswert auseinandergeschoben und danach die Ärmelnähte wieder begradigt.
Für Kurzgrößen werden die Teile nach dem entsprechenden Maß aus der Tabelle dem selbst ermittelten Änderungswert übereinandergeschoben und danach die Ärmelnähte wieder begradigt.

Körpergröße152156160164168172176180
Ärmellänge-4-3-2-1+-0+1+2+3

2. Anpassung der Oberarmweite – Änderung Armloch

Bevor du den Ärmel an der Oberarmweite vergrößerst, solltest du auch das Armloch etwas vergrößern.
Nimm hierfür in etwa ein Drittel bis die Hälfte des Änderungsbetrages des Oberarmumfangs. Ist dein Oberarmbetrag z.B. 3 cm mehr, so erhöhst du den Ärmel zunächst um ca. 1-1,5 cm. Nimm den gleichen Betrag am Armausschnitt von Vorder- und Rückenteil weg. (grüne Linien)

Auf gleiche Weise kannst du das Armloch auch verkleinern (blaue Linien).

Anpassung Oberarmweite:

Teile den Ärmel einmal längs mittig und quer ca. 5 cm unterhalb des Armausschnittes. Drehe die Teile auseinander, so dass mittig die gewünschte Mehrweite entsteht.
Klebe anschließend den Ärmel an den Seitennähten wieder zusammen, in der Mitte überlappen die Teile dann etwas.

Kontrolliere dann deine Ärmellänge, passe sie wenn benötigt an und begradige die untere Ärmellinie wieder.

3. Anpassung der Ärmelweite

Du kannst deinen Ärmel mittig durchschneiden und auseinander drehen (so entsteht auch am Oberarm Mehrweite) oder aber einfach seitlich etwas wegnehmen oder hinzufügen (Die Oberarmweite ändert sich nur wenig).

Wichtig ist nur, dass die Länge der Armkugel gleich bleibt und dass beide Seiten des Ärmels, die ja aufeinander genäht werden, gleich lang bleiben.

Möchtest du im oberen Bereich mehr wegnehmen und im unteren Bereich weniger, so kannst du natürlich die neue Ärmelnaht auch in einer Kurve machen (grüne Linien).

4. flachere oder Steilere Armkugel

Je steiler die Armkugel, desto enger am Körper liegt der Ärmel an. Je flacher, desto weiter weg vom Körper ist der Ärmel.

Eine steile Armkugel aus undehnbarem Material ist nicht geeignet, da sonst der Arm nicht angehoben werden kann. Eine flache Armkugel aus sehr dehnbarem Material wiederum wirft viele Falten unter dem Arm. Es gilt also für das Material eine optimale Ärmelpassform zu finden.

Wenn du die Form deiner Ärmelkugel ändern willst, so miss zunächst die Länge deiner Ärmelkugel aus. Übernimm diese am besten auf einen Papierstreifen zusammen mit den Markierungen. Verschiebe nun die Enden des Papierstreifens und flache so die Kurve ab, oder mache sie steiler. Gleichzeitig ändert sich hier natürlich auch die Breite des Ärmels, sodass eine z.B. vorher notwendige Anpassung der Oberarmweite nicht mehr gebraucht wird.

5. Anpassungen am Raglanärmel

Raglanärmel sind nicht so unterschiedlich von „normalen“ Ärmeln, wie du denkst. Raglanärmel ohne Abnäher oder Teilungsnaht entsprechen einem Ärmel mit flacher Armkugel, Raglanärmel mit Abnäher oder Teilungsnaht entsprechen Ärmeln mit steilerer Armkugel. Die Ärmellänge des Raglanärmels beinhaltet auch den Abschnitt vom Halsloch aus (Schulternaht).

Ärmellänge Raglanärmel = Länge Schulternaht + Ärmellänge

Wenn du dieses Prinzip der Schnittführung von Raglanärmeln verstanden hast, kannst du leicht alle oben beschriebenen Änderungen auf die Raglanärmel anwenden.

Die Meisten Änderungen, wie die Ärmellänge, die Oberarmweite und die Ärmelweite können ganz genauso durchgeführt werden.

Ich hoffe, ich konnte euch heute einen kleinen Einblick in die Anpassung der Ärmel geben und wünsche euch viele passende tolle Kleidungsstücke!

Sophie von Näähglück

2 Kommentare

  1. Und schon wieder, ein phantastischer Artikel zur Anpassung von Näähglück! Ich hatte mir zwar ein Buch zur Schnittanpassung bestellt (leider in der Flutnacht im Ahrtal,abgesoffen), aber da war ich doch etwas überfordert. In den „kurzen“ Artikel von Näähglück habe ihnen tatsächlich einen besseren Überblick bekommen. Vielleicht kann ich später, wenn ich mir mal,wieder neue Bücher leisten kann, das dann damit noch mal vertiefen. Habt Ihr da einen Tip, welche Bücher am besten geeignet sind? LG!

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