SonntagsDing: „Die Paspeltasche“


❥  BIST DU TEAM PASPELTASCHE ODER IST SIE NOCH EIN ENDBOSS?

Heute widmen wir uns der Paspeltasche mit Nikkes von schwalbenliebe.

Sie hüten gesammelte Schätze, sind nützliche Retter für Schlüssel und Handy oder fungieren als Ruhepol für unsere Hände, wenn wir bei einem Shooting vor lauter Freude über das Nähwerk nicht wissen wohin mit ihnen. Sie können praktisch sein oder als wundervolle Zierde das Projekt zu etwas Besonderem machen.
Und falls sie ein gefürchteter Endboss für dich sind, wird es Zeit, dass wir ihn gemeinsam besiegen.

Am besten ist es, wenn du dir kleine Stoffreste nimmst und dich einfach traust, an die Paspeltasche an zu gehen und dadurch immer besser wirst.
❥ Nur Mut und gutes Gelingen anhand der Erklärungen und den technischen Zeichnungen.


In der Damenbekleidung unterscheidet man zwischen zwei Hauptgruppen von Taschen und dementsprechend ist die Verarbeitung auch eine andere.
Zum einen gibt es die aufgesetzten Taschen und die eingesetzten Taschen.

Aufgesetzte Taschen findest du außen am Kleidungsstück und sie werden meist aus dem Oberstoff gefertigt, können gefüttert oder ungefüttert sein und werden mit der Nähmaschine oder in Handarbeit aufgebracht. Die Form ist sehr individuell und sie kommen in quadratischer, länglicher oder abgerundeter Form und können mit viel ‚Finish‘ wie Ziernähten oder Bordüren u.ä. versehen werden.

Eingesetzte Taschen werden zumeist aus Futterstoff verarbeitet, da der Taschenbeutel hinter dem Oberstoff liegt und somit nicht sichtbar ist.
Der Eingriff kann dezent verdeckt oder dekorativ sichtbar ausgearbeitet werden und hier unterscheidet man noch einmal unter drei Arten.
Wir haben die wohl bekannteste Tasche: die Nahttasche, welche in eine Nahtöffnung eingearbeitet wird, die Schrägtasche oder Hüfttasche, welche von der Taille- bis zur Hüftnaht eingesetzt wird und die Schlitztasche.

Bei dieser wird ein Schlitz in das Kleidungsstück eingeschnitten, den man mit einer Paspel oder Leiste versieht oder mit einer Klappe bedeckt.
Die Lage sowie Ausarbeitung der Tasche ist davon abhängig, ob sie einen Zweck erfüllen soll oder als Verzierung dient.
Eine Besonderheit ist noch die Geld- und Uhrentasche, welche direkt unterhalb des Bundes in die Taillennaht eingebettet wird.

Die drei Arten der Schlitztaschen unterscheiden sich lediglich in der Verarbeitung des Eingriffs. Bei der Paspeltasche bildet die Tasche selbst den Kantenabschluss.
Bei der sogenannten Klappentasche wird an der oberen Schlitzkante eine Klappe eingearbeitet, welche den Eingriff sauber verdeckt. So etwas sieht man häufig bei Blazern oder Winterjacken.
Die Leisten- und Palettentasche hat denselben Zeck wie die Klappentasche, wird jedoch mit einem separaten Stoffstreifen zugeschnitten und verarbeitet.

NICE TO KNOW | HINTS FÜR DIE VERARBEITUNG VON PASPELTASCHEN

Die Paspeltasche ist eine Schlitztasche und unterscheidet sich, wie erwähnt, in der Verarbeitung zu anderen. Bei dieser Version, die wie ein großes Paspelknopfloch aussieht, bildet die Tasche selbst den Kantenabschluss. Generell kommt es vor allem auf Genauigkeit beim Markieren und Zuschneiden sowie ein exaktes Nähen an. Ähnlich wie bei einem Paspelknopfloch wird vorderes und rückwärtiges Teil der Tasche einzeln am Tascheneingriff abgesteppt und danach erst zu einem Beutel zusammen genäht. Der Taschenschlitz wird sorgfältig mit Fäden markiert, indem man von Hand kleine Heftstiche auf der rechten Stoffseite des Nähwerks anbringt. Danach werden im geraden Fadenverlauf die Nahtlinien und Mittellinien markiert. Für die endgültigen Nähte wird mit sehr kurzen Stichen gearbeitet und beim Arbeiten sorgfältig gebügelt, um die Kanten sauber auszuarbeiten.

Gerade beim Ausarbeiten von Paspeltaschen ist es wichtig, den Stoff genau zu markieren, sorgfältig zuzuschneiden und exakt zu nähen.
Hier siehst du eine technische Zeichnung mit allen Schnittteilen und die Heftung mit dem Hilfs-Heftfaden sowie dem Fusseleckchen.

VORARBEIT | ZUSCHNITT

Schnittteile für die Paspeltasche: Ein Teil hat die vorgesehene Taschentiefe plus 6,5 cm..

Das andere die Taschentiefe plus 1,5 cm. Die Breite beträgt bei beiden Teilen die vorgesehene Breite plus 2,5 cm

Die Ecken der Tasche abrunden. Dies verhindert das Ansammeln von Fusseln im Taschenbeutel. Statt den Stoff an den Ecken, um die Nadel zu drehen, wird hier rund weiter genäht.

VORARBEIT | HEFTEN & STÄRKEN

Arbeitest du lieber ohne Heftfaden, zeichne dir deine Linien sorgfältig ein und fixiere nicht nur deine Einlage mindestens an den seitlichen Enden der Paspeltasche sondern dämpfe gut aus und lege dir Hilfsnähte mit deiner Nähmaschine an. note. Die Eingriffumrandung nähst du mit der Stichlänge 1, um ein sauberes Bild zu bekommen und viel Halt einzuarbeiten.

Über die Enden heften, um die Länge des Schlitzes zu markieren, dann entlang der Mittellinie und der Nachtlinie, um die Breite der Öffnung zu markieren. Die Markierungen 2 cm über die Enden fortführen.

Ein exaktes Rechteck wird genäht. Dabei wird an den Längsseiten angefangen und an den Ecken der Stoff um die Nadel gedreht. Die ersten Stiche werden mit den letzten möglichst sauber übernäht.

note. Ist der Stoff sehr leicht, wird er mit einer Einlage verstärkt. Die Einlage wird ca. 10 cm länger und 5 cm breiter als die Taschenöffnung zugeschnitten und auf der linken Stoffseite mittig auf die Öffnung legen und fixieren.


VERARBEITUNG DER PASPELTASCHE | TECHNISCHE ZEICHNUNG

Sind die Vorarbeiten, wie das Einzeichnen oder Heften erledigt geht es jetzt an das Ausarbeiten der eigentlichen Paspeltasche.

Das längere Taschenteil rechts auf rechts an den Taschenmarkierungen so feststecken, dass die obere Kante des Taschenbeutels 2,5 cm unterhalt der unteren Nahtlinienmarkierung liegt.

Mit dem Kleidungsstück nach oben entlang den Markierungen wie zuvor gezeigt, ein Rechteck steppen. Auf der Mittellinie durch alle Stofflagen bis 1,5 cm vor die Enden und dann schräg zu den vier Ecken hin einschneiden.

Das Taschenbeutelteil durch den Schlitz auf die Rückseite des schieben. An den Dreiecken der Schlitzenden ziehen, damit der Schlitz rechteckig wird. Die kleinen Dreiecke und die Nahtzugabe vom Schlitz weg bügeln. Das gerade Ende des Taschenbeutels nach oben über die Öffnung bügeln.

Das Taschenbeutelteil so einschlagen, dass zwei gleichmäßige Quetschfalten entstehen, die in der Schlitzmitte aneinanderstoßen. Von rechts nachprüfen, ob beide Falten (Paspel) über die ganze Länge der Tasche gleich breit sind. Die Faltkanten heften und Paspeln mit Matrazenstichen zusammennähen. Die Fadenmarkierungen entfernen.

Mit der rechten Seite des Kleidungsstücks nach den den Stoff so zurückschlagen, dass die seitliche Taschenkante frei liegt. An beiden Seiten über die Dreiecke und die Enden der Quetschfalte steppen. Den Kleiderstoff so nach unten schlagen, dass die obere Nahtzugabe der Öffnung freu liegt und anschließend auf der ersten Naht durch die Nahtzugabe und den Taschenbeutel steppen.

Das zweite Taschenbeutelteil unter das bereits angenähte legen und an den Kanten feststecken, Das Kleidungsstück so nach oben schagen, dass die untere Nahtzugabe der Öffnung frei liegt, und durch die Nahtzugabe, wie die beiden Taschenbeutelteile steppen

Das Kleidungsstück nach links wenden, die Pins aus den Kanten der Taschen entfernen und das untere Taschenbeutelteil nach unten klappen und bügeln.

Das obere Taschenbeutelteil nach unten umlegen. Die untere Schnittkante der beiden Teile sollen bündig sein. Ggf. auf die Länge zurückschneiden und die Teile aneinander pinnen.

Das Kleidungsstück nach rechts wenden und den Stoff so zurückschlagen, dass eine Seite der Tasche frei liegt. Den festgesteckten Taschenbeutel zusammennähen. Dabei oben beginnen und über die Dreiecke möglichst dicht an der ersten Naht steppen. Nahtanfang und – ende sichern. Alles flach bügeln, die Kanten versäubern und zuletzt Hilfsnähte und Fäden entfernen.

Viele Wege führen nach Rom und der hier beschriebene ist wohl mit der Aufwendigste. Hast du eine Liebesbeziehung zu deinem Bügeleisen, und nimmst dir viel Zeit für deine Projekte, wirst du sicher auch mit schnellen Handgriffen zum Ziel kommen und die Herangehensweise aus dem ‚FF‘ können.

Versuch dich an allen Versionen und lerne verschiedene Techniken, dann kannst du je nach Nähprojekt entscheiden, welche Verarbeitung sich am besten einsetzen lässt.

Auf das du bald den Endboss bezwungen hast.
Bless. ❥ Nikkes von schwalbenliebe

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