SonntagsDing: Tipps zum Nähen mit Wollstrickware

Nach den Januar-Mottotagen zum Thema „Nähen mit Wollstoffen“ hat sich ja vielleicht der ein oder andere von euch mit schönen Ebooks eingedeckt, die man prima aus Woll-Strickware nähen kann. Vielleicht ist sich manch einer aber noch unsicher, worauf man beim Vernähen von Wollstrickware achten sollte, was man vielleicht anders machen muss, oder ob man überhaupt etwas anders machen muss?

Daher möchte ich, Kristina von Firlefanz heute vor allem denjenigen von euch, die bisher wenig oder noch keine Erfahrung mit Wollstrickware gemacht haben, ein paar Tipps mit auf den Weg geben.

Maria und Luzie von mialuna und Lumali hatten euch im letzten Jahr im Rahmen des Sonntagsdings schon einmal eine Vielzahl verschiedener Wollstoffarten vorgestellt: https://die-ebookmacher.de/…/sonntagsding-kleines-1-x…/

Dort findet ihr auch Tipps, wie ihr die Wollstoffe am besten waschen könnt – gerade wenn man einen bestimmten Wollstoff bisher noch nicht vernäht hat, würde ich eine Vorwäsche (unter gleichen Bedingungen, wie auch später gewaschen werden soll) übrigens immer empfehlen, damit man ausschließen kann, dass die Kleidung nach dem Nähen einläuft.

Nun habe ich heute noch einige Tipps zum Vernähen der Stoffe für euch.

TIPPS ZUM NÄHEN

Die gute Nachricht vorab: Erstmal brauchst du gar keine Angst vor dem Vernähen von Wollstoffen zu haben, denn in der Regel lassen sie sich genauso vernähen, wie entsprechende Stoffe aus anderen Garnen. Welche Stoffe sich beim Vernähen jeweils ähnlich verhalten, erfährst du im Folgenden.

1. WOLLE-SEIDE-JERSEYS und andere sehr dünne und besonders dehnbare Woll- oder Woll-Misch-Jerseys:

Die Spezialität von Wolle-Seide-Interlock ist, dass dieser quasi hauchdünn und besonders dehnbar ist (extrem querelastisch, kaum längselastisch). Beim Vernähen ähnelt er ein wenig Viskose- oder Modaljersey, beim Tragen wird dann aber der Unterschied sichtbar, dass er sich durch Körperwärme weiterhin ausdehnt. Beim ersten Tragen sollte Kleidung aus Wolle-Seide also eher etwas zu eng wirken, dann ist die Weite nach einer gewissen Tragezeit meistens perfekt.

Wenn du noch keine Erfahrung mit Wolle-Seide gemacht hast, ist es empfehlenswert, erst einmal einen Schnitt auszuprobieren, der speziell auf Wolle-Seide ausgelegt ist. Auch bei den Designern der Ebookmacher findest du einige solche Schnitte. Mit etwas Erfahrung lassen sich auch andere (auf Jersey ausgelegte) Schnitte ganz gut aus Wolle-Seide nähen, wenn man bestimmte Anpassungen vornimmt. So sollte man z.B. meist 1 bis 2 Größen enger nähen und ggf. den Halsausschnitt noch etwas verkleinern. Wenn Einfassungen oder Bündchen vorgesehen sind, kann man auch Wolle-Seide hierfür nehmen, der Faktor zum Berechnen sollte dann am besten zwischen 0,6 und 0,65 liegen, damit die eingefassten Kanten nicht ausleiern.

Zum Nähen solltest du am besten eine Super-Stretch-Nadel verwenden (ich selber benutze meistens normale Stretch-Nadeln und komme damit auch gut zurecht, aber hier gehen die Erfahrungen etwas auseinander). Das Nähen mit der Overlock bietet sich an. Ansonsten sollten alle Stiche der Nähmaschine und auch die Absteppnähte unbedingt sehr elastisch sein, damit beim Tragen die Nähte nicht reißen.

Wichtig ist außerdem, dass du genau wie bei sehr dehnbarem Baumwolljersey darauf achten musst, dass sich die Nähte nicht wellen (der Stoff beim Nähen also nicht gedehnt wird). Bei Wolle-Seide kann das besonders beim Absteppen schnell passieren. Wenn möglich, solltest du daher den Nähfußdruck reduzieren oder einen Obertransportfuß benutzen und außerdem die Stichlänge reduzieren. Beim Nähen mit der Overlock kannst du auch den Differentialtransport recht hoch stellen.

Knopfleisten müssen bei Wolle-Seide auch für Druckknöpfe immer verstärkt werden (es sei denn, du bringst Druckknöpfe auf einer Einfassung an, dies ist auch ohne Verstärkung möglich, es müssen dann aber alle Druckknopfzacken wirklich durch alle Stofflagen hindurch gehen). Verstärken kannst du Wolle-Seide mit gewöhnlichem aufbügelbarem Vlies – oder, wenn du darauf verzichten möchtest, auch gut mit Walk oder dünner Wollwebare.

Zusammenfassung Wolle-Seide:

1. enger nähen oder spezielle Schnitte verwenden

2. Superstretchnadel oder Stretchnadel verwenden

3. Elastische Stiche verwenden / Overlock

4. Für Druckknöpfe immer verstärken

2. WOLLJERSEYS mittlerer Dicke und andere mitteldicke Wollstricke, wie Strukturstrick, Strickjaquard, Wollfrottee: Diese kannst du quasi genauso vernähen wie Baumwoll-Jersey oder Sommersweat. Auch hier solltest du am besten Stretch-Nadeln (oder auch Super-Stretchnadeln) und elastische Stiche verwenden.

Wenn möglich solltest du auch die Stichlänge nicht zu klein wählen und einen Obertransportfuß benutzen.

Beim Nähen mit der Overlock habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade meine günstige Overlock etwas dickere, aber besonders dehnbare Stoffe (so wie einige Wolljerseys) nicht so gerne näht und ich etwas tricksen muss, damit die Nähte nicht gedehnt werden. Auch Strick mit Strukturmuster ist bei meiner Overlock nicht gerade beliebt. Neben dem Differentialtransport (den ich möglichst hochstelle) reguliere ich dann auch bei der Overlock für solche Stoffe noch die Stichlänge und stelle diese größer als normal ein. Damit erziele ich meist ideale Ergebnisse. Hier lohnt es sich definitiv, ein wenig Herumzuprobieren bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Zusammenfassung mitteldicke Wollejerseys:

1. Schnitte für Jersey oder Sommersweat verwenden

2. Superstretchnadel oder Stretchnadel verwenden

3. Elastische Stiche verwenden / Overlock

3. WOLLWALK und WOLLFLEECE: Dieser vernäht sich letztendlich ähnlich wie Baumwollfleece oder auch wie etwas dickerer Sweat. Vernäht werden diese Stoffe gerne für Outdoorkleidungsstücke oder für besonders warme Herbst- und Winterkleidung.

Zum Vernähen von Wollfleece und Wollwalk lese ich häufig den Tipp, grundsätzlich mit Geradstich zu nähen, da bei diesen Stoffen ohnehin nichts reiße. Ich würde das allerdings nicht so verallgemeinern, sondern etwas differenzierter betrachten. Sowohl Wollfleece als auch Wollwalk sind durchaus dehnbare Stoffe (je nach Anbieter/Herstellung etwas verschieden), die manchmal elastischer als so mancher Sommersweat sind. Daher würde ich körpernahe Schnitte vor allem in den Bereichen, in denen man die Elastizität auch braucht – z.B. bei schmal geschnittenen Hosen und Röcken am Bauchbündchen oder bei Pullis/Oberteilen am Halsausschnitt oder Ärmelsaum – immer elastische Stiche bevorzugen.

Bei Längsnähten, bei weit geschnittener Outdoorkleidung oder bei Kleidungsstücken, die auch aus Webware genäht werden können, kann man hingegen tatsächlich oft einfach einen Geradstich nehmen. Aufribbeln tut ohnehin keiner dieser Stoffe, daher ist der Geradstich hier auch definitiv ein sehr haltbarer Stich, wenn die Elastizität nicht gebraucht wird.

Bei Walk kann ich außerdem empfehlen, die Nähte abzusteppen, da sich dann der eher sperrige Stoff schöner formt. Ich selber nähe Walk und Wollfleece bei einlagigen Kleidungsstücken gerne mit der Overlock (weil ich optisch innen den Look der Overlocknähte einfach am liebsten mag) und stabilisiere dann vor allem bei Wollwalk die Nähte durch Absteppen (wenn nötig mit elastischen Absteppstichen, ansonsten mit Geradstich). Dort wo ich keine Elastizität benötige, stabilisiere ich die Nähte bei Fleece ggf. auch mit einer zusätzlichen Geradstichnaht, falls ich nicht Absteppen möchte.

Bei gefütterter Kleidung verzichte ich bei Walk und Fleece dort, wo keine Elastizität erforderlich ist, auf die Overlocknaht und ersetze sie durch Geradstich, dann können auch die Nahtzugaben ggf. gekürzt werden.

Auch als Nadel sollte man möglichst wieder eine Stretchnadel (oder alternativ eine Jerseynadel) verwenden, die Stichlängen sollten wieder eher etwas größer sein.

Zusammenfassung Walk und Fleece:

1. Schnitte für festere/dickere Strickwaren oder Outdoorschnitte verwenden

2. Stretchnadel oder Jerseynadel verwenden

3. Elastische Stiche verwenden / Overlock oder alternativ auch Geradstich (Projektabhängig)

4. Bei Walk Absteppen der Nähte empfohlen

Ich hoffe, dass euch der ein oder andere meiner Tipps weiterhilft! Was habt ihr schon für Erfahrungen mit Wollstoffen gemacht? Näht ihr diese anders als Baumwollstoffe? Oder habt ihr euch noch nicht herangetraut?

Ich freue mich über euer Feedback!

Eure Kristina (Firlefanz)

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